EISMUSIK
Musik auf Instrumenten aus Eis - schamanisch modern. Terje Isungset hat sein eigenes Genre erfunden: Eismusik. Seine Kompositionen klingen gleichermaßen modern und archaisch.Immer wieder findet man Ambient-ähnliche Klänge. Doch dann gibt es auch gutturalen, einem 'Grunzen' nicht unähnlichen Gesang oder wie gleich zum Auftakt eine dem Naturjodeln ähnliche Melodie. Der Klang der Eistrompete wirkt zwischendurch wie vom Freejazz inspiriert.
Dass die Instrumente aus Eis äußerst vergänglich sind und somit schwierige Aufnahmebedingungen verursachen, mag kurios und Aufsehen erregend sein. Seine „Icetruments” für die Aufnahme des Albums „IGLOO” hatte Terje Isungset beispielsweise aus einem Eisblock von außergewöhnlicher Qualität gebaut, den er schon 2003 „geerntet” hatte. Das Eishotel bewahrte den Block auf und kurz vor der Aufnahme begann er dann mit dem Bau der Instrumente - was im Normalfall drei bis vier Tage dauert. Natürlich gehen die Instrumente beim Bau auch mal zu Bruch, und - ja - auch bei Konzerten passiert das ab und zu.
Sieben oder acht Konzerte auf Eisinstrumenten hatte der seines Wissens erste Eismusiker der Welt bis zum Zeitpunkt der „IGLOO”-Aufnahme gegeben - inzwischen sind noch einige mehr dazu gekommen. So etwa seine Mitwirkung beim Generator Festival in Helsinki im März 2005 oder der Auftritt auf dem Eisfestival in Geilo, das 2006 zum ersten Mal stattfand und nun jährlich in der ersten Vollmondnacht wiederholt wird. Das nächste Eisfestival findet übrigens vom 18. bis 22. Januar 2008 statt. Und in diesem Jahr fand die erste „Eis-Konzerttour” von Isungset statt und führte den Künstler von Finnmark bis Japan. Auf Konzerten ist bei Terje Isungset komplette Improvisation angesagt, während er zu seinen Aufnahmen gut vorbereitet anreist.
Und wie sehen sie aus - die Eis-Instrumente? Das Drumset beispielsweise gelingt immer wieder ein wenig anders, aber es gibt doch einige Konstanten. Als Blasinstrument wird das „Icehorn” eingesetzt - ein Blasinstrument, durch das man ohne extra Mundstück bläst. Es schmilzt beim Spielen, so dass es sich nach einer Weile perfekt dem Mund anpasst. Bei der „Iceharp” ist der Rahmen aus Eis gemacht. Die Saiten sind aber nicht aus Eis. Und gespielt wird auch auf dem „Iceophon”, eine Art Marimba oder Xylophon, das man stimmen kann. Es fehlt selbstverständlich auch nicht die „Icepercussion”. Sie besteht aus verschiedenen Eis-Sticks, die nach unten hängen. Da sich die Sticks in Länge und Dicke unterscheiden gibt jeder seinen speziellen Ton ab.
Bekannt sind Musiker, die Instrumente aus gepresstem Schnee fertigen, aber Terje Isungset ist höchstwahrscheinlich der erste Musiker, der auf Eis Musik macht. Oberflächlich gehört, ist die Eismusik von Terje Isungset ein willkommenes Kuriosum in der Musikgeschichte. Die künstlerische Herausforderung der limitierten Klangwelt kehrt er jedoch ins Gegenteil: Seine Musik klingt nicht simpel, sondern tiefgründig und neuartig.
Links:
Terje Isungset - Homepage
http://home.online.no/%7Eisungz
Plattenlabel - All Ice Records
www.icemusic.no
IceFestival Website
www.icefestival.no