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KLANGVOLLE KUNST

Dieses Handwerk steht nicht auf tönernen, sondern tönenden Füßen: Deutsche Gitarrenbaumeister sorgen bei Virtuosen aus aller Welt für den richtigen Ton - vom Konzertgitarristen bis zum Rockstar. Und manchmal weihen sie auch "Otto Normalgitarrist" in den Bau der klangvollen Unikate ein.
 

Hohlraum, Hals und etwas Hobeln? Nein, so schnell geht es nicht, wenn ein Instrument voller Individualität entstehen soll. Denn wer statt von der Stange seine Gitarre bei einem Meister des Fachs ordert, sucht ganz bestimmte Klang- oder Spieleigenschaften und wünscht sich vielleicht auch optisch eine persönliche Note. Vom Entwurf über die Holzauswahl bis zum Auftragen der letzten Lackschicht auf einer handgebauten Gitarre vergehen daher oft Wochen.

Rund 150 selbstständige Gitarrenbaumeister gibt es in Deutschland – und auch wenn viele von ihnen bestimmte Modelle in Kleinserien fertigen, so ist doch jede ein Unikat. Stückzahlen spielen keine Rolle. Bei den Einzelanfertigungen handelt es sich überwiegend um Akustikgitarren. Wichtigster Grund: Bei E-Gitarren wird die Nachfrage maßgeblich durch den Starkult der Rock- und Popszene gesteuert, so dass deren Käufer eher auf große Markennamen und spektakuläre Optik reagieren. Bei Konzertgitarristen hingegen steht der pure Klang bei der Auswahl ihres Instruments unangefochten im Vordergrund. Und da zählen Wissen, Erfahrung und Handwerkskunst: "Die klanglichen und technischen Potenziale der Konzertgitarre sind bisher noch nicht zur vollen Entfaltung gekommen", beschreibt z.B. Angela Waltner, Gitarrenbaumeisterin in Berlin, ihre Motivation. Ihr Ansatz, dies zu ändern: Sie entwickelt Gitarrenbaukonzepte alter Meister weiter und verknüpft sie mit neuesten Erkenntnissen aus der Akustikforschung.

Gitarrenbauer ist zwar ein Ausbildungsberuf, doch beim Musikladen um die Ecke lässt sich diese hohe Kunst nicht erlernen. Keine zwei Dutzend Lehrstellen werden jährlich besetzt. Die angehenden "Zupfinstrumentenmacher" – so die offizielle Berufsbezeichnung – lernen abwechselnd in Kleinbetrieben und an der Staatlichen Berufsfach- und Fachschule im oberbayerischen Mittenwald, der einzigen ihrer Art in Deutschland. Voraussetzung: vor allem handwerkliches Geschick und Gespür für das Material. "Gitarre spielen und Gitarren bauen hat – vom Stimmen einmal abgesehen – nichts miteinander gemein. Die Künstler stehen bei uns auf der anderen Seite der Verkaufstheke", betont Walter Kraushaar, Meister aus Aachen.

Wer sich selbst mal in diesem Handwerk versuchen möchte, wird z.B. bei Christian Stoll vorstellig. Im hessischen Waldems-Esch bietet er Gitarrenbau-Kurse an – eine einzigartige Möglichkeit zu erfahren, wie viel Wissen, Mühe und Liebe in jedem handgefertigten Instrument steckt. Zehn Tage dauert der (inklusive Material etwa 2.000 Euro teure) Lehrgang für ambitionierte Amateure. Maximale Teilnehmerzahl: ein bis zwei pro Jahr.

Auch fertige Instrumente verlangen nach kundigen Händen. Einer, der sich insbesondere mit E-Gitarren auskennt, ist Uli Kurtinat. Seine Telefonnummer liegt in wohl jedem besseren Hotel der Republik an der Rezeption, denn der Kölner baut, veredelt, repariert und pflegt Gitarren für Stars von Metallica bis Tokio Hotel. Die Rolling Stones gehören gar zu den Stammkunden in seinem kleinen Laden. Doch ob Weltstar oder Anfänger, eines erlebt Kurtinat immer wieder schmunzelnd mit: "Das Wichtigste bei einer Gitarre ist neben der Qualität immer noch das Aussehen, weil Jungs damit auch gerne die Mädchen beeindrucken wollen. Deshalb steht bei mir im Laden auch ein großer Spiegel."

Informationen:
 
www.gitarrissimo.de
www.gitarrenbauatelier.de
www.stollguitars.de
www.kraushaar-gitarren.de

 

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