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Oasen in der Grossstadt Wer sagt, dass prächtige Gärten immer vor oder hinter dem Haus liegen müssen? Kreative Garten-Designer beschreiten neue Wege, indem sie der "grünen Welle" den Weg in Innenräume ebnen. So werden Wolkenkratzer und Lofts zu Gewächshäusern.
 

Einst sorgten die sagenumwobenen "Hängenden Gärten von Babylon", die weit vor unserer Zeitrechnung existiert haben sollen, als siebtes Weltwunder für Erstaunen. Heute verblüffen einige Garten-Designer, indem sie der oftmals kalt wirkenden urbanen Architektur von innen Leben einhauchen.

Bestes Beispiel dafür: der von dem englischen Stararchitekten Sir Norman Foster entworfene, rund 300 Meter hohe Commerzbank-Wolkenkratzer im Frankfurter Bankenviertel. Von außen dominieren Stahl, Beton und Glas. Im Inneren des ehemals höchsten Bürogebäudes Europas atmet jedoch eine grüne Lunge. Spiralförmig um das gläserne innere Atrium verteilt – das vom Erdgeschoss bis zur Turmspitze reicht – erstrecken sich neun Gärten über mehrere Etagen. Die Bepflanzung reicht bis zur gläsernen Außenfassade und spiegelt die Vegetation der Erde wider: In Richtung Osten wachsen asiatische Pflanzen wie Magnolien und Rhododendren, im Westen ist die nordamerikanische Flora mit Ahorn und Mammutbäumen vertreten, im Süden finden sich Mittelmeerraum-Gewächse wie Korkeichen und Olivenbäume. Die Gärten nutzen die Banker nicht nur als "Naherholungsgebiet" für Meetings und Pausen. Zusammen mit dem Atrium sorgt die Grünfläche auch dafür, dass Luft und Licht ihren Weg in die innen liegenden Büros finden – und damit für spürbar mehr Lebensqualität.

In luftigen Höhen – wie beispielsweise an einer 30 Meter hohen Wand im Innenhof des Pariser Luxushotels Pershing Hall – entfalten sich auch die Ideen des Franzosen Patrick Blanc. Der promovierte Tropen-Botaniker revolutionierte mit seinen "vertikalen Gärten" die moderne Landschaftsarchitektur. Graues Mauerwerk und triste Betonpfeiler verschwinden bei ihm hinter sogenannten "murs végétaux": grünen Wandteppichen, bestehend aus unzähligen Kletter- und Schlingpflanzen. Die floralen Überlebenskünstler gedeihen nicht nur unter freiem Himmel, sondern bevölkern auch Innenwände. Patrick Blanc bringt sie auf einem speziellen Filzstoff an, den er mitsamt Bewässerungssystem an der betreffenden Wand befestigt. Dadurch erhalten die Pflanzen alles, was sie brauchen, und das Gestein bleibt unversehrt. Bis zu 500 verschiedene Arten sucht er für einen Auftrag zusammen – viele Anregungen bringt der Mann mit dem grünen Daumen von seinen Expeditionen in tropische Länder mit. Im Pershing Hall sprießen unzählige Farne, Gräser und Ranken, die gemeinsam einen riesigen floralen Wasserfall bilden. Das Naturschauspiel aus Menschenhand gilt inzwischen als Aushängeschild des Hotels.

Auch der frühere Bildhauer und heute wegen seiner innovativen Entwürfe geschätzte Garten-Designer Paul Cooper verhilft unspektakulären Innenräumen durch sattes Grün zu einem besonderen Auftritt. In seinem Buch "Grüne Räume – Gartenarchitektur für den Innenraum" gibt er Laien und Profis Tipps, wie sie selbst einen Garten ins Haus zaubern können. Dabei hebt der Brite den Zugewinn an Lebensqualität durch verbesserte Luft und die Nähe zur Natur hervor, die mit dem Indoor-Garten einhergehen. Kaum verwunderlich, dass die erfrischende und wohltuende Wirkung seiner Gartenkunst besonders in heißen Ländern  und dicht besiedelten Städten gefragt ist. Auch in Babylon wäre ein Experte wie er sicher willkommen gewesen …

Informationen:
 
www.murvegetalpatrickblanc.com
www.paulcooperdesign.co.uk

 

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