Hafen der Träume
In der Hamburger Hafencity geht ein ganz besonderes Projekt vor Anker: Zwischen spannender Architektur und stylishem Ambiente bietet das Automobilmuseum „Prototyp Personen.Kraft.Wagen” ein Erlebnis für beinahe alle Sinne.Der Ort für das Zusammentreffen von gestern, heute und morgen könnte nicht treffender gewählt sein: Wo früher ein Wald von Segelmasten, bunte Tuchballen, das Lärmen von Schauerleuten, Dienstmägden und Kindern das Treiben beherrschte, entsteht im heutigen Hamburg die Hafencity, das größte städtebauliche Vorhaben Europas – Politiker und Stadtplaner sprechen sogar vom Jahrhundertprojekt. Heute noch teilweise zerborstener Beton, junges Unkraut, verrostete Bahngleise – in Zukunft Multimedia-Zentren, Lofts über dem Wasser, Kulturzentren an der Elbe. Auf traditionsreichem Hafengelände soll ein kompletter, neuer Stadtteil emporwachsen mit 5.500 Wohnungen und Gewerbeflächen für 20.000 Arbeitsplätze.
Diese „Milleniums-Vision” bietet die perfekte Szenerie für ein Automobilmuseum der neuen Generation. Der Architekt Oliver Schmidt (34) und der Kaufmann Thomas König (36) haben sich hier ihren Kindheitstraum erfüllt und etwas Einzigartiges geschaffen: Ihre Ausstellung „Prototyp Personen.Kraft.Wagen” ist eine Hommage an den Erfindergeist und an wunderbare Formen.
Seit April 2008 präsentieren sie auf 2.500 Quadratmetern eine außergewöhnliche Sammlung: 40 historische Fahrzeuge aus den Jahren 1945 bis 1955 werden von zahlreichen historischen Dokumenten wie zeitgenössischer Automobilfotografie und Original-Werbegrafiken, einer themenbezogenen Bibliothek und „benzingeladenen” Filmen in einem Kino umrahmt.
Seit 16 Jahren begeistern sich die beiden Initiatoren für die seltensten Gefährte. „Wir wollen nicht bloß Autos zeigen, sondern erklären, nach welchen Ideen das Fahrzeug entstand”, sagt Schmidt. Deswegen reiche es auch nicht aus, nur ein Datenblatt mit technischen Angaben auszulegen. In einem zum Fahrsimulator umgebauten Porsche 356 können die Besucher das Erlebnis einer Fahrt in der historischen „Heckschleuder” nachfühlen. Und für einen akustischen Tauchgang in die Welt der klassischen Automobile stehen höhlenartige „Klangsessel” zur Verfügung.
In den komplett in weiß gehaltenen Loft-Etagen eines alten Fabrikgebäudes in der Hafencity parken von nun an einige erlesene Raritäten – beispielsweise der legendäre, silberfarbene Petermax Müller Rekordwagen, Baujahr 1948, in Alu-Leichtbauweise, mit dem der gleichnamige Rennfahrer acht Weltrekorde aufstellte. „Dieses Auto steht exemplarisch für die Sammlung ‚Prototyp’. Es spiegelt den Geist der Nachkriegszeit wider. Damals hatte man keine andere Wahl, als aus einem Haufen Einzelteile unterschiedlicher Fahrzeuge selber Rennwagen zu konstruieren”, schwelgt Thomas König. Ein ebenso unvergleichliches Ausstellungsstück ist ein 1950 gebauter schwarzer Porsche 356 Vor-A-Coupé. „Dieser Wagen ist das heute weltweit älteste Stuttgarter Porsche-Coupé”, erklärt Oliver Schmidt.
Wurden von Öl, Lack und Reifengummi, von Film, Klang und Projektion bis hierhin schon fast alle Sinne bedient, bietet der Gastronomie-Bereich den perfekten Abschluss eines Besuchs im „Prototyp”. Im Untergeschoss befindet sich eine Bar, deren Türen auch außerhalb der Öffnungszeiten des Museums offen stehen und die somit auch zu einem Anlaufpunkt für Nachtschwärmer werden wird.