LEUCHTZEICHEN
Schon allein eine Cabrio-Tour im Volvo C70 entlang der Nord- und Ostseeküste ist ein Erlebnis. Umso mehr, wenn die schönsten Leuchttürme Deutschlands auf der Route liegen. Da werden selbst Binnenländler Feuer und Flamme.Endlich klart der Himmel auf – Zeit für einen leichten Druck auf den Knopf der Knöpfe im Volvo C70: jenen zum Öffnen des Daches. Nur knappe 30 Sekunden später hat sich das dreiteilige Metalldach in den Kofferraum gefaltet und das elegante Coupé in ein sportliches Cabrio verwandelt. Über uns strahlt es Himmelblau. Und noch etwas ragt nun deutlich sichtbar ins Blickfeld: ein rot-weißer Turm.
Das Leuchtfeuer von Falshöft zwischen den Flecken Nieby und Pommerby ist der Startpunkt unserer Tour entlang der schönsten Leuchttürme an Nord- und Ostsee. Und schon an der ersten Station lernen wir etwas für Landratten Überraschendes. Bei den typischen rot-weißen Leuchttürmen mit Drehfeuer – so erklärt der ehrenamtliche Turm-Guide Siegfried Issel – gilt für Seeleute: bloß nicht drauf zu halten, denn diese Exemplare warnen oft genug vor Untiefen oder Landzungen.
Das Leuchtfeuer Falshöft leitete 92 Jahre lang die Schifffahrt in der Flensburger Förde, bevor es 2002 gelöscht wurde. Heute bietet der 25 Meter hohe Turm Besuchern ein tolles Panorama, Dänemark scheint zum Greifen nah. Und im Trauzimmer – dem ehemaligen Wohnzimmer des Leuchtturmwärters – werden nun Verliebte in den Hafen der Ehe geleitet.
Wer zu neuen Ufern aufbrechen will, braucht eben einen Orientierungspunkt. Ist es das, was Leuchttürme so beliebt macht? Fest steht: Nicht alle Feuer-Fans sind Pharologen, wie sich die Leuchtturm-Wissenschaftler in Anlehnung an das antike Urbild aller Leuchtfeuer nennen, den 120 Meter hohen Pharos bei Alexandria.
Je nach Zählweise kommen Deutschlands Pharologen auf bis zu 100 Leuchttürme; simple Masten mit Befeuerung nicht einmal mitgezählt. Die Leuchttürme waren immer auch Zeichen der Zeit: Der Bremerhavener Loschen-Turm verkörpert in seiner Backsteingotik den puren Historismus, die Pickelhauben-Architektur des berühmten Turms "Roter Sand" in der Deutschen Bucht ist so typisch für die Kaiserzeit, wie ein derart spezieller Zweckbau nur sein kann. In den 1970er Jahren regierte nüchterne Sachlichkeit. Mit ranken Stahlmasten und flachen, geometrisch perfekten Laternen wurde die Form auf das Notwendigste reduziert.
Ein Medienstar wie Deutschlands wohl meistfotografierter und -gefilmter Leuchtturm Westerheversand wird man so allerdings nicht. Einmalig romantisch gibt sich das Ensemble mit den zwei Wärterhäuschen, die sich neben den frisch renovierten Turm ins Watt der nordfriesischen Halbinsel Eiderstedt kauern. Die idyllische Lage weit vor dem Deich hat für Besucher allerdings handfeste Nachteile, denn vom Parkplatz bis zum Turm steht ein happiger Fußmarsch an. Unsere Empfehlung: beim Kartenkauf am Parkplatz auch gleich Fahrräder mieten.
Großen Reiz üben aber nicht nur die großen Türme aus: Im Fischer- und Ferienort Büsum steht außer einem klassischen rot-weißen Exemplar auch eine bloß mannshohe Laterne an der Hafeneinfahrt. Und zwei der charmantesten Exemplare auf unserer Tour schauen gerade mal über den Deich – die "Dicke Berta" und der "Kleine Preuße". Wenn Leuchtturm-Fans Cuxhaven erwähnen, meinen sie meist den "Hamburger Leuchtturm" am Anleger "Alte Liebe", wo auch das Feuerschiff Elbe 1 seinen letzten Liegeplatz fand. Aber nicht weit vor den Toren der Stadt konnten engagierte Förderer mit dem liebevoll "Dicke Berta" genannten Altenbrucher Leuchtturm ein echtes Kleinod erhalten.
Vor dem "Kleinen Preußen" in Wremen sitzen zwei frühere Kutterfischer auf einer Bank, zu ihren Füßen ein treuer alter Labrador. Alle drei fahren längst nicht mehr raus auf See, genießen aber den Blick auf Wesermündung und den kleinen Hafen. Ansonsten tut das gemütliche Trio nicht viel und erhebt sich nur gemeinsam zur Mittagspause und zum Feierabend – so wie der "Kleine Preuße" sind eben auch sie im Ruhestand.
Einige wenige Betreiber öffnen die "Turmzimmer" ihrer Leuchttürme für Feriengäste. Schade nur, dass die beiden schönsten Möglichkeiten, im Leuchtturm zu wohnen, nicht mit dem Volvo C70 Cabriolet zu erreichen sind. "Roter Sand", die Ikone der deutschen Leuchttürme und vermutlich Deutschlands einsamste Ferienwohnung, liegt weit draußen in der Nordsee. Und der wehrhafte Backsteinbau auf der Insel Neuwerk, der als Pension genutzt wird, ist entweder per Schiff oder mit der Pferdekutsche von Cuxhaven aus zu erreichen.
So groß die Vielfalt der Leuchtfeuer an Deutschlands Küsten ist – an einem Besuch in Bremerhaven führt überhaupt kein Weg vorbei. Hier stehen die vermeintlich so zweckorientierten Türme in allen Größen, Formen – ja, und auch Farben. Die Hafenstadt ist das Eldorado der Leuchtturm-Freunde. Der 1853 erbaute Simon-Loschen-Leuchtturm etwa ist aus hellrotem Backstein gemauert, seine neugotischen Spitzbögen sind hell verputzt. Wäre da nicht die große dunkelgrüne Laterne auf seiner Spitze, würde der Loschen-Turm – offiziell "Bremerhaven Oberfeuer" – glatt als Kirche durchgehen. Das wäre dann ein geradezu ökumenischer Durchbruch. Denn sein Gegenstück, das "Unterfeuer Bremerhaven" wird im Volksmund wegen seiner schlanken, spitz zulaufenden Form und der Balustrade auch "Minarett" genannt. Der Pingelturm wiederum, der Schiffe an der Kaiserschleuse begrüßt, erinnert eher an den Turm einer Burg. Das nur 15 Meter hohe architektonische Kabinettstück ist übrigens der einzige Leuchtturm mit Nebelglocke. Doch natürlich gibt es auch hier Leuchttürme, die wie Leuchttürme aus dem Bilderbuch aussehen …
Die Leuchtfeuer und die Positionslichter der dicken Pötte blinken um die Wette. Wir schließen das Dach des Volvo C70 und gehen auf große (Heim-)Fahrt. Und immer dran denken: Auch auf unserem Hauptschifffahrtsweg – besser gesagt der Autobahn – gilt: kein Kurs auf rote Lichter.