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MODERNE UND MAGIE

Es ist stets reizvoll, die Vielfalt lebendiger Großstädte in plakative Gegensätze zu packen. München zum Beispiel wird gern der gelungene Spagat zwischen Laptop und Lederhose attestiert. Dieser Bogen lässt sich noch weiter spannen: Mit dem Volvo S80 pendeln wir in der bayerischen Hauptstadt zwischen Magie und Moderne.
 

Wenn es Herbst wird in München, packt ein gutes Dutzend junger Menschen die Unruhe. Dann versammeln sie sich mit ihren großen Taschen, auf denen Furcht erregende Fratzen zu sehen sind, und aus denen schon mal ein Stück Fell herausragt, und Sie laden das schwere Gepäck in ihre Autos und gehen auf Reisen in die geheimnisvolle Welt uralten Brauchtums. An ihre Fersen werden wir uns heften. Der Weg führt uns zunächst in Richtung Marienplatz. Sagengestalten, Ungeheuer und mythologische Figuren aller Art toben sich hier, im traditionellen Herz Münchens, zu gewissen Zeiten nicht nur an den Fassaden aus.

Vor dem alten Rathausturm starrt uns ein grimmiger, bärtiger Unhold mit langen, gekrümmten Hörnern aus blutunterlaufenen Augen an. Und darunter steckt Christoph Klemm, einer der jungen Leute, auf deren Spuren wir uns befinden. Er gehört zur ersten Krampus-Gruppe Münchens, der „Sparifankerl-Pass” (mundartlich für „Teufels-Gruppe”). Ihre rund 15 Mitglieder lassen die alpenländische Tradition des Krampus-Laufens wieder aufleben.

„In Österreich kennt jeder diesen Brauch, aber in München gibt es schon Leute, die sehr verwundert schauen”, lacht Christoph. Die meisten aber sind fasziniert und neugierig. Von Ende November bis Anfang Januar erscheinen die Krampusse als wilde Begleiter des gütigen Bischofs Nikolaus, um „bösen” Zeitgenossen und „ungezogenen” Kindern Angst einzujagen.

Der 32-jährige Kameramann Christoph Klemm, der gemeinsam mit seinen Kollegen Tom Bierbaumer und Gordon Wüst die „Pass” ins Leben rief, kannte diesen Brauch aus seiner Kindheit. Heute schaut er sich mit uns gemeinsam den Schauplatz eines der größten Läufe an: Zur Weihnachtszeit ist der Christkindlmarkt auf dem Marienplatz das Ziel eines Sternlaufs von fünf „Passen” mit rund 50 Krampussen. Wegen der vielen nicht-alpenländischen Besucher geht es beim Münchner Lauf äußerst gesittet zu. Ansonsten ist das Krampuslaufen traditionell eine eher raue Angelegenheit: Unvorsichtige Passanten, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen können oder wollen, werden in das Geschehen mit einbezogen und ordentlich geschüttelt – oder landen auch mal auf dem Hosenboden.

Die Krampus Ausrüstung hat es in sich. Aus seiner Tasche, die sonst ein komplettes Kitesurf-Equipment fasst, zieht Christoph nacheinander alle Insignien eines Krampus: das Kostüm aus sechs bis acht Ziegenfellen, das um die 20 Kilogramm wiegt; einen schweren Ledergurt mit ohrenbetäubenden Kuhglocken, der es auf rund 10 Kilo bringt; Schuhe mit massiv erhöhtem Absatz, die den Krampussen ihre riesige Gestalt verleihen; Krallen-Handschuhe, ein Pferdeschweif sowie einen Ziegenschwanz als Accessoires; und als Prunkstück die zwischen 10 und 20 Kilo schwere Holzmaske, in Fachkreisen „Larve” genannt.

Diese immens aufwändig geschnitzten Masken lassen sich die meisten Krampusse jährlich neu anfertigen. Die Vorjahresmodelle werden verkauft oder gesammelt. „Ein Krampus trägt in der Regel zwei Hörner”, erklärt unser „Krampus-Guide”. „Die Perchten, eine andere Figur aus diesem Brauchtum, haben zwei Hörnerpaare, aber das sollte man nur machen, wenn man’s nicht im Rücken hat”, lacht der an schwere Lasten gewöhnte Kameramann.

Obwohl oder gerade weil die Mitglieder der „Sparifankerl-Pass” sehr moderne Menschen sind, gestalten sie den Brauch und ihre Ausrüstung bewusst nach traditionellen Vorbildern. Die Künstler, die solche wertvollen Unikate herstellen, haben sie in Österreich gefunden: den Bildhauer Rupert Kreuzer – Künstlername Astei – und den Restaurator Gerhard Seer. Alljährlich Anfang Herbst fährt die versammelte „Pass” deshalb nach Großarl. Wir begleiten sie beim diesjährigen Anpassen ihrer Grusel-Haute-Couture.

Als wir beim Astei eintreffen, macht der sich gerade mit Kettensäge, Beitel und Hammer an einem groben Holzklotz zu schaffen, an der Wand lehnen einige „angehauene”, also noch unfertige Masken. „Das ist Zirbenholz, eine Kiefernart, die auf etwa 1.800 Metern Höhe an der Waldgrenze sehr langsam wächst”, erklärt Rupert Kreuzer.

Das Aussehen der Masken, die Gestaltung von Bart, Hörnern, Augen, Ohren und Zähnen, besprechen die Gruppen eine ganze Saison im Voraus. „Meist schnitze ich für jede Pass Masken im selben Stil”, erklärt Rupert. „Was mir wichtig ist: Die Fratzen müssen immer noch menschliche Züge tragen. Den vereinzelt festzustellenden Trend zu Horrormasken mache ich nicht mit.” Wenn Rupert Kreuzer die finsteren Gesichtszüge fertig geschnitzt hat, setzt Gerhard Seer die Hörner ein, passt die Masken mit Schaumstoffpolstern individuell an und bemalt sie effektvoll. „Früher nahm man dazu Ruß und Erdfarben, heute arbeite ich mit Acryllacken”, erklärt er. Die zotteligen Anzüge aus Ziegen- oder Schaffell schneidert er ganz nach Wunsch als Overall, Mantel oder Umhang. Am Ende stecken 25 bis 30 Arbeitsstunden in einem kompletten Krampus-Outfit.

Als wir das duftende Wollknäuel und die Maske schließlich vorsichtig im Kofferraum des Volvo S80 verstauen, treffen erneut Tradition und Moderne aufeinander – das archaische Kostüm inmitten der innovativen Technik. Genau betrachtet, steht die Limousine selbst für diese Verbindung: Im 80. Jubiläumsjahr von Volvo verkörpert sie traditionelle Werte und Qualitäten, führt aber zugleich beispielhaft vor, wie diese in modernste Automobile umgesetzt werden. Bleibt nur noch, zurück nach München zu fahren und auf die magische Zeit des Krampus zu warten. Denn wenn es Herbst wird in München, hat selbst die Moderne manchmal Pause.

Informationen:
 
www.muenchen-tourist.de
www.sparifankerl-pass.de
Adresse:
Masken und Kostüme: Gerhard Seer
Unterberg 153
A-5611 Großarl
Postbus 68, NL-87 10 AB Workum
Tel.: +43 (0) 6414-673
Mob. +43 (0) 664-344 83 13

 

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