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Kyudo
Der Weg des Bogens

Mit dem typisch scharfen Klang durchstößt der Pfeil das Papier der Zielscheibe, das auf einem Holzrahmen wie auf einer Trommel aufgespannt ist. Der beinahe schnurgerade Flug des Pfeils über 28 Meter ist das Ergebnis aus Präzision und Kraft. Der Schütze hatte in den letzten Tagen, Wochen, Monaten kaum Schwankungen in seiner Form gezeigt.
 

Vor Erreichen solcher Fertigkeit steht ein ausdauerndes und gewissenhaftes Üben. Die Handhabung des Bogens und der Ablauf des Schießens wird fortschreitend vertieft und verinnerlicht. Dabei wird auch die Persönlichkeit gefordert und geformt. Die Angelpunkte in der Beherrschung des YUMI, des in seiner Asymmetrie unverwechselbaren japanischen Bogens, sind die Arbeit der (linken) Bogenhand und die Kraftsteigerung zum und über den Abschuss hinaus.

In den Grundzügen werden diese Techniken vom Anfänger von der ersten Stunde an geübt. Unterrichtet wird von fortgeschrittenen Schützen in den Vereinen und auf Lehrgängen von japanischen Lehrern.

Geschichte

Kyudo zählt zu den Ältesten der traditionellen japanischen Budo-Künste. Zusammen mit der Schwertkunst gehörte Kyudo zur Grundausbildung der Samurai. Der Aufstieg der Kriegerkaste und ihre maßgebend regierende Schicht machten Kyudo zu einer der wichtigsten Disziplinen der von den Samurai praktizierten Kriegskünste. Ursprünglich war also der japanische Bogen eine Jagd- und Kriegswaffe. Bereits im 8. Jahrhundert in der Nara-Zeit wurde Kyudo jedoch bei zeremoniellen Anlässen ausgeübt. Unter dem Einfluss des aufkommenden Konfuzianismus übernahm ein System moralischer Werte (Do) die Vorherrschaft über die Verwendung des Bogens und die damit verbundene Schießtechnik.

Mit den Feuerwaffen und den umfassenden Änderungen in der japanischen Gesellschaft, Anfang des 19. Jahrhunderts, verlor das Bogenschiessen endgültig seine kriegerische Bedeutung und wandelte sich in eine Disziplin, welche Körper und Geist förderte. Wenn das Schießen im Rahmen des Do geübt wird, so müssen alle Haltungen und alle Bewegungen, gemäß genau vorgeschriebenen Vorschriften ausgeführt werden. Das Kyudo ist von einer besonderen ästhetischen Bedeutung durchdrungen. Der Höhepunkt dieses Strebens nach Harmonie: die ästhetische Verbindung zwischen dem Schützen und dem Bogen selbst, welche zu einem Bild perfekter Gesamtheit verschmelzen.

Es ist als eine Seltenheit anzusehen, dass eine Sportart mit über tausendjähriger Geschichte noch wie einst in seiner traditionellen Form ausgeübt wird und trotzdem in der Allgemeinheit ein hohes Interesse findet. Es gibt heute in Japan etwa 500.000 praktizierende Bogenschützen. Da im Kyudo besonders auf Etikette Wert gelegt wird - dazu gehört die Reinheit des Körpers ebenso wie tadellose Kleidung und Höflichkeit - hat Kyudo in Japan einen hohen Stellenwert, beispielsweise bei der Auswahl von Mitarbeitern.

Bogen, Pfeil und Handschuh

Traditionell besteht der Bogen (YUMI) aus Laminaten von Bambus- und Holzstreifen, die Pfeile (Ya) werden aus zweijährigem Bambus sowie Federn von Greifvögeln und der Schießhandschuh (Yugake) aus geräuchertem Hirsch- oder Antilopenleder gefertigt. Die nach traditionellem Verfahren hergestellten Geräte sind in einem hoch entwickelten Land wie Japan, wo Arbeit teuer ist, sehr kostspielig.

Aus diesem Grund sind seit den Mitt-Siebzigern Bögen aus Holz mit Glasfieberbelag, später auch mit Carbonschichten entwickelt worden. Inzwischen werden Laminate aus Bambus und Carbon bzw. Bambus und Glasfieber ebenfalls hergestellt. Die neuen Typen haben den Vorteil gegen Schwankungen der Temperatur und Luftfeuchtigkeit unempfindlich zu sein, jedoch können sie die Dynamik und das Gefühl des YUMI aus Bambus nicht wiedergeben.

„Die Kunst des Bogenschießens ist es, die Früchte zu ernten, die aus dem Können des Bogenschießens und aus seinem Geist erwachsen, Wer mit dem Bogen richtig übt, wird auch im Geiste Fortschritte machen, Über das Einüben der Kunst des Bogenschießens wird es erst möglich, auf den Weg des Bogen zu kommen.”

(Prof. Genshiro Inagaki aus „Yumi no Kokoro”)

Links:
 
Deutscher Kyudo Bund
www.kyudo.de

 

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